Quartier

Gemeinde und Quartier

Alles was vor dem Jahr 1893 von der autonomen Gemeinde Unterstrass selbst geregelt wurde, kam mit der Eingemeindung in den Verantwortungsbereich der „grossen“ Stadt. Deshalb wurde der Quartierverein als Forum zur Wahrnehmung der Interessen der Bevölkerung gegründet. Der Quartierverein ist auch heute Gesprächspartner der städtischen Behörden.

Unterstrass gibt es schon sehr lange, feierte man doch anno 1941 das 500-Jahr-Jubiläum. Aus der damals erschienenen Sonderbeilage im Tages-Anzeiger geht hervor, dass Unterstrass in früher Zeit eine eher trostlose Gegend gewesen sein muss, bewachsen mit Gestrüpp und zerfurcht von Bächen, die vom Zürichberg herunterflossen.

Einige Strassennamen zeugen heute noch davon: Haldenbach, Stampfenbach, Letzibach, Valtersbach, Röslibach und Lindenbach. Erst spät wurde das Land urbar gemacht und war vor den Toren der Stadt ein Landwirtschaftsgebiet. Zeuge dafür ist das Quartierwappen mit den beiden gekreuzten Karsten über einer Pflugschar.

Ein vernetztes Quartier

Unterstrass ist ein vielseitiges Quartier mit manchen Gesichtern. Es erstreckt sich von der katholischen Liebfrauenkirche beim Central bis zur Allerheiligen- und der Matthäuskirche weit draussen an der Wehntalerstrasse und reicht auf der anderen Achse von der Limmat beim Letten bis hinauf hinter den westlichen Teil des Uniparks. Gewissermassen im Schwerpunkt findet sich die reformierte Kirchgemeinde Unterstrass und an der Grenze zu Oberstrass liegen zwei quartierübergreifende Kirchgemeinden mit der reformierten „Paulus Kirche“ und mit der katholischen „Bruder Klaus Kirche“. Die auf dem Boden von Unterstrass stehenden Kirchen bilden zum grösseren Teil eine Vernetzung mit den benachbarten Quartieren.

Die langgestreckte Form von Unterstrass war vor der zweiten Eingemeindung noch ausgeprägter, stand da einer Länge von 3’500 Metern bloss eine Breite von 500 Metern gegenüber. Diese und die heutige Form sind Zeugen davon, dass Unterstrass zuerst ein Strassendorf war. Ohne eigentliches Zentrum zogen sich die Häuser der unteren nach Norden führenden Strasse entlang, auf der sich nicht nur der Handelsverkehr bewegte. Hier waren auch viele Pilger aus dem deutschen Raum zu Fuss von und nach Einsiedeln unterwegs. Erfrischung boten damals drei Pilgerbrunnen, die an der Beckenhof- und der Langmauerstrasse sowie an der Kreuzung zwischen der Schaffhauser- und der Röslistrasse standen.

Der Quartiername

Seinen Namen hat Unterstrass – wie auch Oberstrass – durch die zwei nördlichen Ausfallstrassen aus der Stadt erhalten. Die untere Strasse führte über die Stampfenbach-, die Schaffhauser- und die Örlikonerstrasse an den Rhein. Die heutige Winterthurerstrasse mit dem Stallungen des „Neubühl“ bildete eine zweite Achse derselben unteren, nach Schaffhausen führenden Strasse. Die obere Strasse, welche nach Winterthur führte, zog am Waldrand des Zürichbergs entlang. Sie begann bei der Künstlergasse, führte die Culmannstrasse hinauf, bog in die Frohburgstrasse ein und dann nach Osten ab.

Urbanisierung der Vorstadt

Zählte Unterstrass als Gemeinde anno 1800 noch 365 Einwohner, so waren es bei der Eingemeindung um 1893 bereits rund 5’000. Im Jahr 1948 erreichte Unterstrass mit 33’143 Einwohner seine maximale Bevölkerungszahl. Zu diesem Zeitpunkt zählten ausser Zürich nur neun Schweizer Städte mehr Einwohner als Unterstrass. Bemerkenswert ist, dass 18 Kantonshauptstädte – darunter auch Freiburg, Neuenburg und Schaffhausen – weniger Einwohner zählten als das Quartier Unterstrass. In der Folge nahm die Bevölkerung im Quartier bis in die achtziger Jahre wieder auf gegen 20’000 Einwohner ab.

Das starke Wachstum – insbesondere in den zwanziger Jahren – war der Errichtung von Wohnkolonien zu verdanken. Schon zur Zeit des ersten Weltkrieges wurde von der Stadt eine Kolonie zur Bekämpfug der Wohnungsnot zwischen der Winterthurer- und der Riedtlistrasse errichtet. Eine zweite folgte 1926 im „Birkenhof“ und vier Jahre später entstand nördlich des Bucheggplatzes noch eine dritte. Von noch grösserer Bedeutung war die Errichtung von Baugenossenschafts-Siedlungen. Die erste entstand 1916 an der Stüssistrasse und heute dominiert diese Gebäudekatagorie das Quartierbild nördlich der Riedtli- und der Rotbuchstrasse.

Wegmarken der Entwicklung

Auf das Jahr 1933 geht eine Reihe von Gründungen zurück. Eingeweiht wurden die „Zwillingskirchen“ Paulus und Bruder Klaus sowie das Radiostudio. 1945 wurde Unterstrass auch vom Krieg getroffen. Über dem Zürichberg, der Hub und im oberen Strickhof einschlagende Bomben liessen Gesteinsbrocken bis zum Tramdepot Irchel fliegen, so dass dort die Fahrleitungen der VBZ heruntergeschlagen wurden.

Gemeinschaftszentrum

1949 wurde im Allenmoos ein weiteres Schulhaus eingeweiht, knapp zehn Jahre später nahm die Freizeitanlage Buchegg, das heutige Gemeinschaftszentrum, seinen Betrieb auf. Vierzehn Jahre nach der reformierten Matthäuskirche wurde wohl als letzte die Allerheiligenkirche anno 1964 eingeweiht. Drei Jahre später nahm das Krematorium Nordheim seinen Betrieb auf.

Westtangente als Grossprojekt

In den späten sechziger Jahren stand der Ausbau der Westtangente als Grossprojekt an. Dabei wurde die Irchelstrasse während dem Bau als Umleitungs-Provisorium verbreitert. Eines schönen Septembermorgens im Jahre 1968 lagen sämtliche (über 30 !) grosse Platanen auf der Nordseite der Irchelstrasse in der Strickhofwiese. Dies war keine Folge der ein Vierteljahr zurückliegenden Globus-Krawalle sondern die Tat des Tiefbauamts. Ob ein solcher Kahlschlag als Opfer für ein Provisorium heute politisch noch möglich wäre?

Grundstein zur Universität Zürich-Irchel

1973 wurde der Grundstein zur Universität Zürich-Irchel gelegt und drei Jahre später begann der Bau des Südportals zum Milchbucktunnel. Damit war der wohl eindrücklichste Wandel im Profil des Quartiers eingeleitet. Fortan wurde der Bau des Tunnels und der Universität parallel vorangetrieben, so dass 1978 die letzte landwirtschaftlich genutze Fläche in Unterstrass verschwand. Die landwirtschaftliche Schule Strickhof wurde verlegt und es lagerte neu der Bau-Aushub aus dem Milchbucktunnel auf den Wiesen, auf denen früher Kühe weideten, und auf den Äckern, auf denen sich das Korn im Winde wiegte.

In den frühen achtziger Jahren war denn das Areal um den Milchbuck auch hässlich anzusehen, bis ungetüme Caterpillars mit diesem Aushub die Hügel modellierten, die heute den unteren Teil des Uni-Irchel-Parkes umgeben und diesen vom Verkehr abschirmen. Dass der Park sich heute so naturnah präsentiert, ist dem Kanton Zürich zu verdanken, der die Bauherrschaft inne hatte. Der Park ist zu einem Schmuckstück für die ganze Stadt geworden.

Bernhard im Oberdorf